Kommentare von den bisher geladenen Präsentationsgästen:

Sebastian Prantl
Fragen zur choroegraphischen Vorgangsweise bezogen sieh konkret auf das methodische Vorgehen, dem ich entgegen hielt, daß ich nicht Stücke erdenke, um sie dann fachlich analytisch zusammenzubauen: Ensemblearbeit ist der Nährboden für Ideenreichtum, wobei die Metapher des Theaters durch den spezifischen Blick des Choreographen thematisch fokusiert werden. Die ,,direkte Benützung und eines Menschenbildes über das Tänzerprofil hinaus, setzt die vertrauensbildung - den Kontakt zur Innensphäre des Tänzers voraus - wobei langzeitig ein wandelbarer Anspruch bei Tänzer und Choreographen eingegangen werden könnte. Diese Vorgangsweise ist nicht losgelöst von mir als Person, die sich selbstkritisch mit Kunst im Kontext alltäglicher Lebenszusammenhänge auseinandersetzt Das Individuum, getragen durch das Kollektive, ist somit der Ausgangspunkt den größeren Rahmen im Theater zu gewährleisten. Tanz bedeutet für mich Kommunikation - innerhalb und außerhalb dieser Parameter- Choreographie' im Entstehungsprozeß das Publikum einbeziehend, tendiert bereits erarbeitete Ästhetiken weiterzutragen Nur die konkrete Identifikation des Tänzers mit seinem Material, das schließlich das Publikum mit einbedenken muß, birgt Potential neue Bedeutungen zu eröffnen. Natürlich besteht und entsteht Theater in der Gegenüberstellung von Publikum und Akteur. Das Gespräch im kleinen Format habe ich geschätzt - ich habe es als Zwiegespräch genossen, daß aber theoretisch auch ohne Zuhörerschaft möglich gewesen wäre7 da eine Aufzeichnung auf Video vorgenommen wurde. Die Frage der Methode von Dokumentation und Outing und der Rolle des Partizipientens stellt sich und führt über zur grundsätzlichen Formatfrage.

Annette Pfefferkorn, David Ender und Jack Hauser
Der Abend der Werkschau war in zwei Teile gegliedert, in den der Performance und den des Gesprächs mit Astrid Bayer und dem Publikum. Thema und Struktur der improvisation war das "Interview", das schließlich noch folgen sollte. Als unabhängiger Soundtrack wurde eine am Vortag improvisierte Komposition von Ender und Hauser verwendet, die die Nachahmung des Klanges von Billardkugeln bei der Carambolage als Grundlage hatte. Ein Merkmal von Lux Flux ist auch, daß live gespielte Musik (wie auch an diesem Abend) integraler Bestandteil der Performance sein kann, und daß die Bühnenausstattung selbst zum Requisit der tänzerischen und musikalischen Darstellung wird.Bemerkenswert war die Leichtigkeit, mit der das Publikum die Auflösung der Grenzen zwischen Normalität und Künstlichkeit, Intimität und Öffentlichkeit, Publikum und Akteuren begleitete. Das Publikum wurde aktiver, lustvoller Mitgestalter des Abends, obwohl Lux Flux sich keiner vorgefaßten Performance-Schemata bedient, weshalb ihre Aktionen oft schwer oder gar nicht einzuordnen sind.

Manfred Aichinger und Nikolaus Selimov
Aus unserer Sicht war es ein spannedes Gespräch, das uns selbst aber auch das Publikum mit einer großen Zahl tanzrelevanter Fragen konfrontiert und diesbezüglich Reflexionen provozierte. Hinsichtlich der Inhalte unseres Gesprächs hatten wir den Eindruck, daß unser gemeinsames Vorgespräch in manchen Punkten intensiver und prägnanter war als die Werkschau selbst. Wir regen daher an, die Vorbesprechungen kürzer zu fassen, um den "Zündstoff" nicht im Vorhinein aufs Spiel zu setzen, indem sich die Gesprächspartner in wesentlichen Diskussionspunkten "verständigen" konnten. Leider hatte das Publikum zu wenig Möglichkeit Fragen zu stellen und den Verlauf des Gespräches mitzubestimmen. Dennoch haben wir aus den Reaktionen der ZuschauerInnen entnommen, daß es gelungen ist, komplexe Inhalte zu reflektieren und trotzdem nachvollziehbar und verständlich zu bleiben. So erscheint uns eines der wichtigsten Ergebnisse dieses Abends die unmittelbare Kommunikation mit "unserem" Publikum gewesen zu sein.
Nochmals vielen Dank für die Einladung zur "Werkschau" und alles Gute für die folgenden Gespräche.

Christine Gaigg
Die Werkschau gab mir die Möglichkeit, in einem gut skizzierten Rahmen Aspekte meiner Arbeit zu zeigen und darüber zu sprechen. So eine Gelegenheit ist immer gut für mich und ich hatte auch den Eindruck, daß das Publikum diesen Rahmen ebenfalls zu schätzen wußte: Die kurzen Ausschnitte, Details "unter Anleitung" wahrzunehmen, die Gesprächssituation, die Möglichkeit, den Verlauf der Veranstaltung zu beeinflussen......Die Werkschau ist eine lebendige Form von Auseinandersetzung mit künstlerischer Arbeit.

Saskia Hölbling
Feedback Werkschau 5+6Ich finde die Idee und Realisation der Werkschau eine Bereicherung für die Tanzszene, da hier eine Auseinandersetzung mit dem Tanz als eigenständige, darstellende Kunstform stattfindet, wie ich sie persönlich als außerordentlich wichtig erachte.
UND
Der Austausch mit den jeweils geladenen Choreographinnen war nicht nur unheimlich interessant, sondern auf ganz persönlicher, auf menschlicher Ebene sehr nett!! Die Möglichkeit des Vergleichs zwischen Werkschau 5 + 6 läßt mich nun folgende Beobachtung artikulieren:
Werkschau 5:
3 Choreographinnen beschrieben an konkreten Beispielen (sowohl in Bewegung als auch verbal) ihre persönliche Art und Vorgangsweise, an Bewegung und Bewegungsfindung heranzugehen, beschreiben also in anderen Worten das Procedere, ihre Tanzsprache zu entwickeln. Es wurde untereinander diskutiert und auf Fragen des Publikums eingegangen.
Werkschau 6:
3 Choreographinnen improvisierten zu Themen, die sie einander stellten. Das Publikum wurde aufgefordert, Beobachtungen mitzuteilen und über Geschehens zu diskutieren. Meiner Meinung nach ist der Fokus der beiden Werkschauen hier sehr unterschiedlich, weil sie sich verschieden an das Publikum wenden: Werkschau 5 versuchte, dem Publikum den Tanz als darstellende Kunstform näherzubringen, indem unterschiedliche Ansätze und Entwicklungsprozesse vorgestellt wurden. Werkschau 6 setzte bereits voraus, daß sich das Publikum eingehend mit Tanz als Kunstform auseinandergesetzt hat, setzte also einen differenzierten Blick und Einblick in unterschiedliche Ansätze und Entwicklungsprozesse voraus. Ich persönlich finde erstere Variante für gegebenen Rahmen adäquater.

Akemi Takeya
"Werkschau" was a good experience for me to think about something to be clear an my work, and it was interesting to know how to interpret in words from our own dance – style or method.

Editta Braun
Kreative Arbeit hat für mich sehr viel mit Einsamkeit zu tun – sicherlich ist ein Choreograph weniger dem Alleinsein ausgesetzt als etwa ein Schriftsteller, und doch spürt, glaube ich, jeder Künstler diese tiefere Einsamkeit, die unter der Euphorie des kreativen Moments verborgen liegt, die im Ringen nach dem authentischen, für ihn richtigen Ausdruck innewohnt.
Diese mir vertraute Einsamkeit habe ich sowohl bei Saskia Höbling, als auch bei Astrid Bayer gespürt, eine der Gemeinsamkeiten, die sich für mich an diesem Abend herausgefiltert haben.
Denn, so konträr wir drei Frauen auch sind, so verbunden hat uns die Herausforderung, durch die inszenierte Situation, die ihresgleichen sucht: herausgefordert durch ein zahlreich erschienenes und engagiertes Publikum, öffentlich zu improvisieren und diesen Prozeß dann zur Diskussion zu stellen.
In der Konfrontation fühlte ich mich verbunden und solidarisch mit meinen Kolleginnen, wir setzten ein starkes Zeichen der Weiblichkeit in der Kunst und lebten einen zutiefst weiblichen Aspekt - es muß nicht immer nur schwarz oder weiß sein, die aristotelischen Gegensatzpaare von Ja und Nein, Gut und Schlecht, lassen sich aufweichen durch ein müheloses Akzeptieren der Vieldeutigkeit und nuancenreichen Unterschiedlichkeit - so geschehen bei jenen, den Improvisationen folgenden Diskussionen. Und ich setzte in meiner Weise dem Publikum ein Denkmal, indem ich ihm zeigte, wie sehr mich seine Anwesenheit animierte - zum Reflektieren, zur Komik und zum Ungehorsam.

Christoph Zimmermann
Mehrkanalton in Tanzperformances:
"Ich gehe von der Idee des dreidimensionalen Tons aus. In jedem besseren Film wird diese Tonqualität angeboten, warum dann nicht auch bei Tanzwerken, wo die Musik eine so bedeutende Rolle spielt? Es ist technisch kein Problem mehr, diese Art der Beschallung zu benützen und mehrkanalig Geräusche und Töne aus genau jenem Punkt ertönen zu lassen, aus dem es räumlich bzw dramaturgisch erwünscht ist. Diese Wirkung in ein Gesamtkonzept einzubinden, in dem die Performance dann eine "unter die Haut gehende" Kombination aus darstellender Kunst und Klanginstallation werden kann, ist mein Anliegen, - der Bühnenraum als ein für den Besucher vollständiger, geschlossener Erlebnisbereich."

Mario Mattiazzo
"Herzliche Gratulation für die wunderschöne Führung durch die Werkschau. Es wurden viele wichtigen Punkte diskutiert, wobei ich mir wünschen würde, die Gelegenheit für eine dritte Werkschau zu bekommen, um die für mich offenen Themen klären zu können, wie z. B. die Anpassung eines Tanzstückes an fremde Musik.
Ich wurde in meiner Meinung bestätigt, daß die Musik im Zeitgenössichen Tanz relativ spontan ausgewählt wird, aber auf der anderen Seite eine sehr wichtige Rolle auf die Stimmung und die Gefühle des Publikums ausübt. Ich danke für die Einladung und hoffe, wieder die Gelegenheit zu interessanten Gesprächen im Rahmen einer Werkschau zu bekommen."

Milli Bitterli
Die Werkschau am 29.1.98 war sehr gut besucht und das Publikum nahm regen Anteil an der laufenden Diskussion.
Eingeladen waren drei Choreographen (B. Gstettner, C. Gaigg und ich, Milli Bitterli). Alle drei von uns zeigten Ausschnitte aus unseren Arbeiten, was den Abend für mich etwas zu lange werden ließ und auch das Publikum wirkte nach drei Stunden schon recht erschöpft.
Da es um Stil und Ästhetik an diesem Abend ging, hätte ich am Nachhinein kürzere und unterschiedlichere Ausschnitte aus meinen Solos gewählt, um mich auf einen Tanzstil festlegen zu müssen, aber dann wäre der Abend noch länger geworden.
Was für mich an diesem Abend etwas unterging, waren mehr allgemeine Fragen wie: Wann und warum entscheidet man sich zu einer Ästhetik in einer Choreographie... Dafür blieb wenig Zeit, da wir hauptsächlich über die gezeigten Ausschnitte gesprochen haben.
Insgesamt hatte ich einen positiven Eindruck über den Verlauf des Abends und glaube, daß die Werkschau eine interessante Veranstaltungsreihe ist.

Paul Wenninger
Danke um deine Bemühungen für den Tanz.