Abhandlung zum Thema

Liebes-Befindlichkeits-Barometer

in sechs Stufen

Stufe 1

Liebes-taub

In diesem Zustand, ground zero, ist jegliche zarte Anbahnung und Annäherung zwecklos; die Energien sind anderweitig eingesetzt und hoffnungslos dort gefangen und gebunden (bis auf Widerruf natürlich). Sollte das Gegenüber trotzdem einen vagen Schritt, mit Hoffnung auf ein mögliches Liebesspiel, wagen, wird das Küsschen zwar erwidert, aber mit der ganzen Kraft der physischen und gedanklichen Abwesenheit, flüchtig und ohne jeglichen sexuellen Charme. Und die Augen werden möglicher Weise nicht auf den Begehrenden, nicht auf den sich Annähernden gerichtet, sondern gierig auf das zentrale Objekt des Auslösers wie z.B. Arbeitspapiere, Mobiltelefone, laptop-Bildschirme etc. Weiters kreisen die Gedanken des Belästigten gleichzeitig und blitzartig um das Problem des immensen Zeitverlusts, der durch diese, so scheint es, schier endlos dauernden Geste der flüchtigen Erwiderung des Küsschens, hervorgerufen wird.

Stufe 2

Liebes-bereit

Wir können hier bereits von einer gewissen Distanz zu Allerweltsbelangen sprechen, und es kommt in diesem Stadium ein leicht prickelnder Lauer-Effekt ins Spiel. Die Intensität ist zwar noch nicht groß genug, aktiv zu werden, aber in der Bereitschaft wird hoffnungsfroh auf eine Gelegenheit gewartet, ja, abgewartet, aber nicht unbedingt erwartet. Sobald jedoch das Gegenüber die ersten Anzeichen einer Annäherung zeigt und die ersten Schritte setzt, ist man widerspruchslos bereit, sich der Verführung hinzugeben und die Gedanken des - aber du solltest noch, du könntest, du müßtest vielleicht noch - weit, weit hintanzustellen, um Genußvollerem den Platz einzuräumen. Sollen doch die anderen die Welt retten! - Es darf halt nur nicht zu lange dauern.

Stufe 3

Liebes-willig

Allein der Gedanke zählt und ist schon Auslöser für sehr konkret entstehende Fantasien, die im Kopf zu kreisen beginnen und der Tatendrang zur Verwirklichung eine ebenfalls sehr konkrete Gestalt annimmt. Eine Vernetzung von Alltagsmomenten mit sinnlich-poetischen realitätsfremden Sinneswahrnehmungen zwingt den Willigen, die Jagd einzuleiten, und die Beute zu erlegen. Jeder Moment, der sich bieten könnte, wird umgehendst ergriffen, sein Gegenüber in ein freudiges Bettgetümmel zu verstricken; der Ausgang ist nicht vorhersehbar.

Stufe 4

Liebes-lustig

Ein schier endlos, nicht enden wollender Parallel-Slalom der Anbahnung hat begonnen. Die Gesten der Liebesbezeugungen kennen keine Grenzen der Kreativität, der Originalität ist freien Lauf gelassen, Schabernack im Liebespiel zu treiben, gehört zur Tagesordnung, und Sexualität wird zum Spielball der Freizeitgestaltung. Da kann es durchaus passieren, dass für den Einen der verheißungsvolle Ausgang punkt genau erspürbar ist, während der Partner in des Meeres- und der Liebe Wellen die Orientierung verliert.

Stufe 5

Liebes-lüstern

Oder sollten wir eher Liebes(f)lüstern dazu sagen? Die ganze Bandbreite des körperlichen Ausdrucks kommt ins Spiel, so auch die des leisen Wisperns und Raunens in theatraler Anlehnung. Verbale Zugeständnisse der freudigen Erregung rauben dem Gegenüber den Atem oder die Kraft, sich zu konzentrieren, weil Worte, Hände und jegliche andere Körperteile mit rasender Geschwindigkeit einen Tanz der Begierde aufführen, der äußerste Disziplin abverlangt, Kurs zu halten, um beim Wesentlichen zu bleiben und den Kern aller Dinge zu berühren, wo doch das Ziel so nahe scheint!

Stufe 6

Liebes-toll

Ohne Worte! In letztem Zustand ist jeglicher Widerstand des Gegenübers zwecklos und herzlichst unerwünscht. Die Dramaturgie verlangt absoluten Höchsteinsatz an Hingabe. Nur Routiniers dieser Phase gelingt im ergebendsten Liebestaumel noch kurz ein letztes Posieren in annähernd würdevoller Haltung, bevor ohne Rücksicht auf Verluste be - darüber - darauf - darunter, eingestiegen und genommen wird, was das Zeug hält! Und die Haare gerauft, versteht sich!