Neu.See.Land.
 
Bildbeschreibung
 
Eine Kräusellinie des Wassers bildet den Horizont.
Eine Kräusellinie des Wassers, durchlässig ins Weiß mündend, bildet den Horizont. Dieses Weiß, alles verheißend, fließend ins räumliche Nichts, umzäunt, pfortengleich links und rechts von Strauch und Baum. Nebelverhangen die Wipfel an der einen Seite, sonnenbeleuchtet die Wipfel auf der anderen Seite, das Grün erstrahlend, dem frühen Morgen gleich, sich spiegelnd in den Wassermengen, himmelsgleich.
Wasserlinie grenzt Wasserfläche ein, als würde dahinter der freie unendliche Fall beginnen, als würden Flügel erhebend ins strahlende Weiß alles sich Erträumende beginnen lassen, das Wasser durchquerend, mittig den langen Steg nicht beachtend, obwohl so profund und stabil das Holz, die Latten quer den Boden säumend mit schweren Stützen rechts und links in der Mitte des Stegs. Vierkantpfosten rahmen die Querlatten, vier herausragende Pfosten am Ende des Stegs laden ein, anzulegen, wenn nicht die Flügel gewählt werden, sondern das Boot, imaginär nur, den Steg gewählt und nicht den Kräuselhorizont, auf den freien Fall weit weg am anderen Ende des Stegs verzichtend, und anzulegen vorgezogen wird, die entgegengesetzte Richtung zu wählen, das Land zu betreten, das, nicht sichtbar zwar, ebenso verführerisch zu sein scheint, das Land, das sein könnte, wenn das Bild des Bildbandes verlassen wird, der Raum des Betrachters betreten würde, ja gegenüber stehend dem Betrachter selbst, der das Bild betrachtet und beschreibt, in aller Stille.
Welchen Landschaften möge man begegnen, welchen Seelenbildern? Oder ist der freie Fall ins weiße Nichts am Ende des kräuselnden Horizonts oder ist das Abheben flügelgleich ins luftdurchlässige kühle dunstige nebelige Etwas, das sich weiße Weite nennen darf, der Begegnung an diesem anderen Ende des Stegs vorzuziehen? (A.B)
 
Neuseeland
Bild Christian Heeb
S 176 – S 177
Stürtz-Verlag